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Petersburger Gouverneurswahl ohne den Kommunisten Wladimir Bortko

Von   /  5. September 2019  /  1 Kommentar

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eva.- Der Kandidat der Kommunisten Wladimir Bortko ist wenige Tage vor der Gouverneurswahl am 8. September aus dem Rennen ausgestiegen. Grund dafür seien die unehrlich organisierten Wahlen, liess die Partei verlauten – Beobachter sehen aber dies aber als Vorwand an.

Den Rückzug ihres Kandidaten meldete die KPRF am 3. September an, nachdem Bortko während einer Wahlsendung am Fernsehen seinen Rücktritt bekanntgegeben hatte. Die Wahlen seien „unehrlich, ungerecht und ungesetzlich organisiert“ hiess es in der Erklärung der Partei.

Gleichzeitig meinten die Kommunisten, ohne Bortko vertrete keiner der verbliebenen KandidatInnen die Interessen der Arbeiter, und man empfahl den StimmbürgerInnen, beim Wahlgang, ungültige Stimmzettel einzuwerfen – von einem Boykott-Aufruf sieht man hingegen ab.

Image des Kreml-Kandidaten Beglow im Keller

Laut Beobachtern hat dieses Verhalten einen einfachen Grund: Der Kreml-Kandidat Alexandr Beglow, der als „Unabhängiger“ kandidiert ist trotz aller Bemühungen, sein Image aufzupolieren, so unbeliebt, bzw. unbekannt, dass sogar der Noname-Kandidat Bortko ein gefährlicher Konkurrent hätte werden können.

Zwar hat erhielt Beglow laut einer Umfrage im Juli 40 Prozent der Stimmen, fünfmal soviel wie Bortko, doch ist es gut möglich, dass die Kommunisten als Partei der „System-Opposition“ diesen Schritt in Absprache mit der Regierung gemacht haben, um am 8. September jegliches Risiko für Beglow auszuschliessen.

Festnahmen und Prügel durch Polizei

Während der vergangenen Wochen war es in ganz Russland zu Protesten gegen unfaire Wahlen gekommen, zu denen kaum unabhängige KandidatInnen zugelassen worden waren. Dabei wurden viele DemonstrantInnen festgenommen und geschlagen. Das Ansehen der Kreml-Partei „Einiges Russland“, deren KandidatInnen allesamt als „Unabhängige“ auftreten, hatte sich dadurch noch weiter verschlechtert.

Bild: Eugen von Arb/SPB-Herold

www.fontanka.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

1 Kommentar

  1. realsatire sagt:

    Wenn die „gelenkte Demokratie“ so übersteuert wird, dann besteht die Gefahr, das sie ins Schleudern gerät.

    Fakt ist das der durchschnittliche Ivan Ivanov sehr duldsam ist. Wie z.B. ein Yandex
    Taxifahrer kürzlich meinte. „Ja nicht alles ist gut aber Demokratie passt nicht zu uns, wir Russen brauchen die „Knut und Prjanik“ (Zuckerbrot und Peitsche) Politik weil wir sonst uns selbst gefährlich werden und wieder dem Gemeinwohl handel, also zu den Banditentum der 90er zurueckwechseln“.

    Ich wollte mich mit Ihm nicht streiten und dachte mir nur, das trotz all dem Gedöns über die Grösse des Landes, seiner Siege, den Erfolgen im Sport und der Wehrtechnik, sowie all den Wohltaten die von der gütigen Führung verteilt werden, der Einzelne doch extremen Managel an Selbstbewustsein und Selbstachtung im Punkt „Verbesserung des Politischen Management“ hat. Welch normaler Bürger lässt sich den so von der Politik vorführen? Offensichtlich nur ein „gelernter“ Sowjetbürger.

    Die Schrauben können, wir wir in der Vergangenheit gelernt haben, ja noch beliebig weiter Angezogen werden, und ich glaube die wenigen welche jetzt Ihren Protest kundtun, setzen Ihre Karriere, juristische Unbescholtenheit und Ihren Status auch desshalb auf Spiel, weil Sie wissen wo das schlimmstenfalls Enden könnte.

    Solange man sich das gefallen lässt macht die Politik eben was sie will. Wenn demokratische Kontrolle nicht möglich ist, dann wird sie eben ausserparlamentarische geäussert. Ich bete das das gut für alle ausgeht, und da schliesse ich die Verantwortlichen gerne mit ein.

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